Dienstag, 21. April 2026, 19 Uhr
Ort: Badische Landesbibliothek, Vortragssaal, Erbprinzenstraße 15,
76133 Karlsruhe, Eintritt frei
Dr. Detlev Fischer, Richter am Bundesgerichtshof a. D., Karlsruhe
Helmut Engler (1926-2015), ein badischer Jurist zwischen Freiburg,
Karlsruhe und Stuttgart
Am 14. April 2026 wäre Helmut Engler 100 Jahre alt geworden. Aus Anlass dieses
Jahrestages zeichnet der Vortrag den facettenreichen Lebensweg des langjährigen
baden-württembergischen Ministers für Wissenschaft und Kunst (1978-1991) nach.
Dieser Weg ist geprägt durch zahlreiche Tätigkeiten in der Justiz des Landes, zuletzt
als Amtschef (Ministerialdirektor) des Stuttgarter Justizministeriums. Von 1959 bis
1963 war der gebürtige Freiburger Jurist Präsidialrat am Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe und persönlicher Referent des damaligen Gerichtspräsidenten Gebhard
Müller. Während des Südweststaatsprozesses am Karlsruher Verfassungsgericht im
Oktober 1951 assistierte er als junger Rechtsreferendar dem Vertreter der badischen
Staatsregierung und konnte so den Prozessverlauf unmittelbar vor Ort erleben. 1968
wurde Engler Professor an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität
Freiburg i. Br. und von 1973 bis 1977 Universitätsrektor. In stürmischen
Universitätszeiten bewährte er sich dank seiner mäßigenden und ausgleichenden Art
als erfolgreicher Vermittler. Als allseits geachteter Landesminister wurde er treffend
als Gentleman der Politik bezeichnet.
Der Referent studierte Rechtswissenschaften in Freiburg i. Br. und war lange Jahre
Richter im baden-württembergischen Justizdienst, von 2005 bis 2015 Richter am
Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Er hat zahlreiche Studien zu zivilrechtlichen und
rechtsgeschichtlichen Themen erstellt, zuletzt „Vom Reichskammergericht zum
Bundesgerichtshof, Etappen der höchstrichterlichen Judikatur in Deutschland“, 2025.
Seit 2005 ist er ehrenamtlicher Leiter des Rechtshistorischen Museums in Karlsruhe.
Samstag, 3. Oktober 2026, 10.30 Uhr
Rechtshistorischer Stadtspaziergang durch Karlsruhe anlässlich des Tages der Deutschen Einheit unter dem Motto Einigkeit und Recht und Freiheit
Treffpunkt wird später bekannt gegeben.
Führung: Dr. Detlev Fischer, Richter am Bundesgerichtshof a. D., Karlsruhe
Dienstag, 20. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Badische Landesbibliothek, Vortragssaal, Erbprinzenstraße 15,
76133 Karlsruhe, Eintritt frei
Professor Dr. Frank L. Schäfer, Freiburg i. Br.
Das sächsische Bürgerliche Gesetzbuch: Entstehung, Wirkung und
Erbe
Das sächsische BGB von 1863/65 bildet in der deutschen Kodifikationsgeschichte
die Brücke zwischen den älteren Zivilrechtskodifikationen um 1800 und dem BGB
des Deutschen Reiches von 1896/1900. Das sächsische BGB stellte im Deutschen
Bund erstmals unter Beweis, dass eine auf der Pandektenwissenschaft aufbauende
Zivilrechtskodifikation praxistauglich sein kann. Nach einem Grundriss zur
Entstehung des Gesetzbuchs widmet sich der Vortrag ausführlich der bislang wenig
erforschten weiteren Geschichte nach Inkrafttreten. Insbesondere werden die
Rechtspraxis des Königsreichs Sachsen sowie die deutsche und schweizerische
Rechtsvereinheitlichung bis hin zum reichsdeutschen BGB beleuchtet. Ebenso wird
die Frage beantwortet, warum die thüringischen Staaten und Anhalt das sächsische
BGB nicht übernahmen. Der Vortrag baut auf dem Projekt zur Edition der Materialien
zum Sächsischen BGB auf, die auf heiUP und heiDATA erscheinen wird.
Der Referent, gebürtiger Karlsruher, studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg und
Cambridge. Nach der Promotion bei Adolf Laufs in Heidelberg über das Bereicherungsrecht in historisch-vergleichender Perspektive und dem zweiten Staatsexamen war er Fellow an der International Max Planck Research School for Comparative Legal History. Im Anschluss an die Habilitation bei Joachim Rückert in Frankfurt am Main über die juristische Germanistik lehrte und forschte Schäfer zunächst in Kiel. Seit 2015 ist er in Freiburg im Breisgau an der Germanistischen Abteilung des Instituts für Rechtsgeschichte und geschichtliche Rechtsvergleichung. Gastprofessuren führten ihn nach Bari, Shanghai (ECUPL) und Tokio. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Schuld- und Sachenrecht, dem Privatversicherungsrecht, der Privatrechtsgeschichte, der Geschichte des Unrechts sowie auf der Erzähltheorie. Nach der Monographie „Rechtsanwälte als Täter: Die Geschichte der Reichs-Rechtsanwaltskammer“, 2024, arbeitet Schäfer derzeit zusammen mit Christian Hattenhauer (Heidelberg) an der Druckfassung der Materialien zum Sächsischen BGB.